Es wird Winter – doch ein paar ganz Harte fahren auch im Schnee!

micha_elefant.jpg

Interview und Bericht vom ELEFANTEN TREFFEN

Unser Elefant ist 40 und liebt den Winter – kein Wunder also, dass er zu den Wahnsinnigen zählt, die sich jährlich bei Minusgraden und Schnee ganz cool mit dem Moped auf den Weg zum jährlichen Elefantentreffen machen, Zelten und so tun als wären das die angenehmsten Temparaturen.
Ganz klar, dass man hier keine Weicheier findet – den hier friert es einem im wahrsten Sinne des Wortes die Eier ab.
Doch woher kommt dieses Schneetreiben eigentlich?

Missy D untersucht die Geschichte des Elefantentreffen und trifft mal wieder auf Stuttgart. Gegründet wurde es mal in den Jahren des Wirtschaftswunders 1956 am Stuttgarter, wie könnts auch anders sein, Glemseck. Ein Ort mit Tradition. Da trafen sich die ersten mit Motorrädern und Gespannen um dem Moped aus seinem Image des „Arme-Leute-Fahrzeugs“ rauszuhelfen – schliesslich galt es in den 50ern als très chic und enorm wohlhabend, ein Auto zu haben – und die meisten hatten noch keins…
Es fing an mit dem grünen Elefanten, der Zündapp KS 601. Doch immer mehr Modelle gesellten sich hinzu, aber der Name des Treffens wurde beibehalten. Das Ding wurde zum Selbstläufer und musste 1961 dann auf den Nürburgring verlegt werden, um dem Andrang Herr zu werden. Dann war’s ne Weile ruhig, bis in den 70ern wieder alle auf den Trichter kamen Moped zu fahren. Und, wie soll’s auch anders sein in den wilden 70ern, bei fast 50.000 Besuchern gab es wohl eine wüste Rauferei mit bösem Ende unter den Rockern. Da gab’s dann Hausverbot auf dem Ring und die Truppe musste sich ein neues Zuhause suchen. Wohlgemerkt ohne Internet… Der BVDM organisierte 1977 die Neuauflage des Elefantentreffens vor den Toren des Salzburgrings bei den Schluchtenfahrern – zuerst mit mässigem Zulauf, aber stressfrei. 1983 (ca. 8000 Eisfans) tanzten dann auch wieder ein paar Veteranen an und das ganze wurde Tradition.
1989 gabs sogar zwei Elefantentreffen, die sich bis heute erhalten haben. Ab und zu streiten sie sich darum, wer das echte Original ist, doch das tut in meinem Bericht nichts zur Sache.

Nachdem man auch am Salzburgring nicht mehr unterkam, zog der BVDM 1989 in den Bayrischen Wald nach Solla Thurmansbang/Loh an die Strecke des Stock-Car-Club Solla, wo das grössere Treffen auch heute noch stattfindet, eine andere Absplitterung von damals, die IG RES (heute E-Team) zog wieder um an den Nürburgring (1990) und feiert seit heute dort den Eistanz.

Die meisten Elefantentreiber stehen auf Gespanne oder Schraubermaschinen von Guzzi, Ducati oder Triumph, allenfalls noch Harley, wo man noch alles von Hand erledigen kann – Japaner waren eine Zeitlang verpönt als Joghurtbecher. Die Klamotten sind zwar winterlich, aber der Alt-Rocker-Look dominiert, mit samt dem Spirit von damals.
Die Herausforderung der Elefantentreiber besteht nicht nur darin, das kalte Treffen ohne grössere Verluste zu überleben – sondern der Reiz besteht auch in der An- und Abfahrt, der Abenteuerreise durch den Schnee(matsch) oder Schlamm.
Schliesslich können die Umstände für die Anfahrt nicht widrig genug sein, und manch einer musste unterwegs zum Schraubenschlüssel greifen oder den letzten Rest trampen…

Ein letzter Hauch von Abenteuer in der gut durchorganisierten BRD. So aufregend wie die Anfahrt ist auch das Lagerleben im Elefantengetto: aus Eislöchern werden Lagerfeuer, Holz wird wieder zum Rohstoff Nummer 1 und Fähigkeiten wie Feuer machen und Eintopf kochen sind schwer gefragt. Statt Integralhelm trägt man Rocker-Leder-Kappe oder Trapper-Fellmütze. Endlich mal wieder Cowboy und Indianer spielen, halt was für richtige y-Chromos.
Als Programm dazu gibts Fackelfahrten, Crossturniere, Barrackenbau und Holzsäge-Wettbewerbe – schön rustikal natürlich – mit der gehörigen Portion Punsch, Glühwein oder Feuerwasser 😉
Doch nun zu unserem Helden Micha der Eismann, der nicht nur seit vielen Jahren ein alter Elefant ist, sondern der dazu auch noch zum Skifahren mit dem Moped fährt, doch seht und lest selbst:

Interview mit Bildergalerie hier

Text: Missy D, Fotos: Micha

Über MissyD

* Sie hat 66 Tattoos * Sie geht seit dem magischen Dreieck ins Stadion (B Block) * Sie fährt mit den Jungs * Sie fährt D wie Daytona * Sie schert sich nicht um Konventionen * Sie wird geliebt oder gehasst * Sie ist verdammt schnell
Dieser Beitrag wurde unter alles rund um's MOPEEEED veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

1 Antwort zu Es wird Winter – doch ein paar ganz Harte fahren auch im Schnee!

  1. MissyD sagt:

    Tommy aus Bautzen schrieb am 12.12.07:
    Klasse Seite, die ich da gefunden habe, entspricht voll meinem Geschmack, hab da auch ein Alt-Eisen, und noch eins und……… naja andere lassen ihr Geld in der Kneipe, ich stecke es in die Maschinen 😉
    Hier schraub ich nun seit 15 Jahren wieder für mich und fahre natürlich auch. Das Haupt-Arbeits-Tier ist eine Guzzi LM 1000, damit zeig ich den modernen Reisschüssel Freaks ab und an mal wo der Hammer hängt. Was glaubst du, wie denen manchmal der Unterkiefer in die Kombi rutscht, ich sag dann immer nicht die PS machen es, man muss sein Fahrzeug kennen (in- und auswendig, nicht jeder kann schrauben, aber befassen sollte man sich schon mal mit der Technik um zu wissen, dass die Kolben immer abwechseld gen Himmel steigen) und damit umgehen können und das macht die Erfahrung und die hat ein 20 jähriger eben noch nicht!
    Ich liebe die alten Maschinen und den Sound – da darf man schrauben und sich etwas aus dem Fenster lehnen und der Rennleitung gefällts so sehr, dass sie auch mal ne Runde drehen will damit, den Geruch nach Öl und Benzin, hmmmmmmm…… .
    Leider bin ich hier wahrscheinlich der einzige der auf Caferacer steht. Streetfighter-Fraktionen gibts viele, ist mir persönlich zu modern.
    Wenn Treffen sind, sieht man entweder die ganz alte Schiene (von denen ich auch noch zwei habe BMW und AWO Sport) oder die Gehirnlosen die denken, die sind die Helden mit ihren Papageianzügen und den finanzierten Staubsaugern (soll jeder machen und fahren was er will). Das sind dann auch die Vögel wegen dennen viele Strecken die kurvig und schön sind, gesperrt werden, für die hab ich nichts übrig, wenn ich dann da ahnungslos und gemütlich lang fahre, kassiert mich die Rennleitung ab.
    na denn see you Tommy

Schreibe einen Kommentar